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Okinawa & Japan

Okinawa-Sanshin 沖縄三線

Als Folge des regen Austauschs mit China gelangte auch ein dreisaitiges Zupfinstrument namens sanxian 三弦 auf die Ryūkyū-Inseln, dessen Aufbau an ein Banjo erinnert.

Mit der Zeit entwickelte sich hier aus der sanxian die Okinawa-Sanshin, beide Bezeichnungen lassen sich übrigens mit „drei Saiten“ übersetzen. In erster Linie wurde sie verwendet, um gesungene Lieder zu begleiten. Zunächst hauptsächlich am königlichen Hof gespielt, verbreitete sich das Instrument nach und nach auch im Volk.
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Heute ist die Sanshin nicht mehr wegzudenken aus der Folklore und der Alltagskultur Okinawas, mit ungebrochener Popularität. Bei einem Spaziergang hört man nicht selten den typischen Klang des Instrumentes, wenn die Inselbewohner einfach zu ihrer Freude in die Saiten greifen, sei es am Strand, auf der Terrasse ihres Hauses oder auch während einer kleinen Pause im Auto.

Eine Sanshin besteht aus einem Hals (okinawaisch ) und einem hölzernen Korpus (chīga), in der Regel ist sie etwa 80 cm lang. Die Wirbel zum Stimmen der Saiten werden als karakui bezeichnet, und die kleine Brücke, über die sie laufen, heißt uma. Um den Korpus ist ein breites, meist bunt verziertes Band, das tīgā gebunden.

Wie bei der sanxian ist der Korpus der Sanshin traditionell mit Pythonhaut bespannt. Diese Instrumente sind zum einen recht teuer, zum anderen könnte es aufgrund des Artenschutzes Probleme bei der Einfuhr geben. Glücklicherweise erhält man jedoch auch Imitate, die je nach Preisklasse mehr oder weniger authentisch wirken. Ebenso ist eine Leder- oder Stoffbespannung möglich, oft mit bunten bis hin zu kitschigen Bemalungen und Verzierungen, also für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein!


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Gespielt wird die Sanshin mit einem speziellen, krallenförmigen Plektrum (bachi), das man auf den Zeigefinger setzt, um damit die Saiten anzureißen. Es besteht üblicherweise aus dem Horn des Wasserbüffels, aber auch Keramik oder gelegentlich Holz wird verwendet. 

Auf Amami Ōshima 奄美大島 benutzt man übrigens ein flaches, etwa 13 cm langes Stäbchen als Plektrum, mit dem zusätzlich zum Spielen der Saiten rhythmisch auf den Korpus geklopft wird. Als eine weitere Besonderheit sind die Saiten der Sanshin auf Amami Ōshima nicht weiß wie auf den anderen Ryūkyū-Inseln, sondern gelb.

Die tiefste der drei Saiten (chiru 弦) nennt man ūjiru 男弦 (die „männliche“ Saite), die mittlere nakajiru 中弦, und die höchste mījiru 女弦 („weibliche“ Saite).

Die Stimmung (chindami) der Sanshin ist pentatonisch, am häufigsten in der Grundstimmung honchōshi 本調子 C-F-C, oder wenn man es etwas tiefer mag, z.B. in B-E-B.
Für die Begleitung zum Gesang kann man die Tonhöhen übrigens auch der eigenen Stimme anpassen, solange die Abstände zwischen den einzelnen Tönen gleich bleiben (DO, re, mi, FA, so, la, ti, DO).

Neben honchōshi werden für verschiedene Stücke auch weitere Stimmungen eingesetzt, bei denen eine oder zwei Saiten um einen Ton höher bzw. tiefer gestimmt werden:
ni-age 二揚げ: mittlere Saite höher, z.B. C-G-C
san-sage 三下げ: höchste Saite tiefer, z.B. C-F-Bb
ichi-ni-age 一二揚げ: tiefste und mittlere Saite höher, z.B. D-G-C

Um die Sanshin zu spielen, muß man keine Noten kennen, hingegen empfiehlt sich das Erlernen der kunkunshī-Notation 工工四, die im 18. Jahrhundert entwickelt wurde. Jeder Position auf dem Griffbrett wurde ein chinesisches Schriftzeichen zugeordnet, so daß man beim Lesen der kunkunshī-Tabelle genau weiß, welche Saite man anspielen und wo man sie gegebenenfalls drücken muß. Zwar hat der Hals der Sanshin keine Bünde wie beispielsweise eine Gitarre, aber ein paar angeklebte Markierungen in den richtigen Abständen helfen dem Anfänger genauso gut, bis er über ausreichend Erfahrung verfügt, um die Finger auch ohne hinzusehen an die richtigen Stellen zu setzen.

Das Griffbrett einer Sanshin: 





Griffbrett

Beispiel für ein kunkunshī-Notenblatt: 



kunkunshi

Die Anzahl der Griffpositionen und damit der notwendigen Schriftzeichen sind eher gering, so daß man beim Erlernen dieser Notationsschrift selbst dann nicht vor unüberwindbaren Schwierigkeiten steht, wenn man kein Japanisch oder Chinesisch kann. Und wenn man erst einmal ein Gefühl für das Instrument bekommen hat, klappt das Klimpern nach Gehör auch ganz ohne Notenvorlage, und riesig Spaß macht es noch dazu!

Für die Bewohner der Ryūkyū-Inseln ist ihre Musik ein wichtiger Teil des Lebens, so ist es kein Wunder, daß die Sanshin hier nahezu allgegenwärtig zu sein scheint. Ihr hoher Stellenwert im alltäglichen Leben der Menschen zeigt sich auch besonders eindrucksvoll am Beispiel der kankara-Sanshin カンカラ三線: 

Als Okinawa nach dem verheerenden Krieg praktisch vor dem Nichts stand, mangelte es selbstverständlich auch an geeignetem Holz für den Instrumentenbau. Um dennoch musizieren zu können, behalfen sich die Menschen mit billigem, einfachem Holz für den Hals sowie leeren Konservendosen (kankara - „leere Dose“) für den Korpus.
Auch wenn heute eigentlich keine Notwendigkeit mehr dazu besteht, auf diese Materialien zurückzugreifen, findet man nach wie vor regelmäßig kankara-Sanshin in vielen Geschäften. Einerseits sind sie natürlich eine deutlich preisgünstigere Alternative zu den höherwertigen Instrumenten (perfekt zum ersten Ausprobieren), andererseits jedoch erinnern die leeren Dosen beim Spielen an die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre und sind so zu einem bedeutenden Symbol innerhalb der Geschichte und Kultur Okinawas geworden. 

kankara