Iriomote

Mein nächstes Reiseziel führte mich noch etwas weiter in den Süden auf die Yaeyama-Inseln, nur etwa 200 Kilometer entfernt von Taiwan.
Doch Ishigaki-jima, die Hauptinsel der Yaeyamas sollte noch etwas auf mich warten, zunächst wollte ich weiter nach Iriomote-jima. Diese Insel ist zum Großteil von Dschungel bewachsen und beherbergt eine Flora und Fauna, die in Japan wohl einzigartig ist. Das Leben hier wirkt ländlich und verschlafen, angenehm ruhig und entspannt, eine willkommene Abwechslung also zu den doch recht hektischen Eindrücken Japans, die man so oft in den Städten bekommt. Statt dessen erwarten den Besucher die typischen Mangrovenwälder und die ausschließlich hier lebende Iriomote-Wildkatze, die man leider fast nie persönlich, aber dafür auf zahlreichen Schildern, Aufklebern, in Souvenirgeschäften etc. zu Gesicht bekommt.
Seidenspinne
Überall zu finden: die Weiße Baumnymphe (Idea leuconoe)...
Überall zu finden: die Weiße Baumnymphe (Idea leuconoe)...
... japanisch Ōgomadara ...
... japanisch Ōgomadara ...

Meine Fähre zum Zielhafen Uehara im Norden Iriomotes wurde wegen schlechten Wetters (und dem damit einhergehenden heftigen Seegang) gecancelt. So setzte ich alternativ über nach Ōhara im Südosten, meist ist die Fahrt dorthin deutlich ruhiger (wie ich ein paar Tage darauf erfahren durfte). Ein Bus der Fährgesellschaft brachte mich dann zu meiner Unterkunft in der Pension „Mariudo“. Diese Herberge bietet einfache, aber geräumige Zimmer, eine großen Gemeinschaftsgarten mit Wiese und Hängematten sowie köstliches Frühstück und Abendessen mit Zutaten aus der Region. Gut, die Duschen und das (japanische) WC wurde von allen Gästen gemeinsam genutzt, doch dafür waren Kost und Logis auch überaus preiswert. Und mal ehrlich: zu einer Insel, die von den Reiseveranstaltern gern als „Adventure Island“ beworben wird, paßt ein wenig Mangel an Luxus doch ohnehin viel besser!
Iriomote, die subtropische Dschungelinsel Iriomote, die subtropische Dschungelinsel
Ishigaki-Skink (Plestiodon stimpsonii), jap. Ishigaki-tokage
Ishigaki-Skink (Plestiodon stimpsonii), jap. Ishigaki-tokage
Oft zu finden: Brettwurzeln Der Pinaisara-Wasserfall von oben... ... und von unten.

Da ich die obligatorischen Attraktionen wie Kanutouren durch die Mangrovenflüsse sowie Dschungelwanderungen (etwa zum Fluß Urauchi-gawa) schon während früherer Besuche mitgemacht habe, wollte ich mir diesmal einfach etwas Ruhe bei ausgedehnten Spaziergängen und Fototouren gönnen. Ob am Strand oder am Wegesrand, man findet immer wieder geeignete Motive, angefangen von der Landschaft über kleine und größere Schmetterlinge und Krabbeltiere bis hin zu Flughunden. Doch wie bereits erwähnt: der berühmteste Einwohner der Insel, die Iriomote-Wildkatze, wird einem dabei allerdings nur in den allerseltensten Fällen über den Weg laufen.

Leider war ich auch hier mangels übersetzten Führerscheines nur begrenzt mobil. Auch ein Fahrrad hätte mir nicht viel geholfen, ist Iriomote tatsächlich deutlich größer, als man zunächst denken mag. Glücklicherweise verkehrt ein Bus entlang der einzigen Hauptverkehrsstraße der Insel, doch kommt der nur relativ selten und fährt noch dazu nur etwa bis 18:00 Uhr. Eine andere Möglichkeit, von einem Ort zum anderen zu kommen, ist natürlich das Trampen, und schon nach wenigen Versuchen findet man einen freundlichen Autofahrer, der bereit ist, einen mitzunehmen. Das kann ein Einwohner sein oder auch ein Tourist mit Mietwagen, auf jeden Fall jedoch sollte sich eine interessante Plauderei ergeben.

Am nördlichen Ende der Insel liegt der berühmte „hoshizuna no hama“, der „Sternensand-Strand“. Die Sandkörner - die mehrere Millionen Jahre alten Schalen winzig kleiner, einzelliger Meerestierchen (Foraminiferen) - sind hier teilweise geformt wie Sterne und damit begehrte Mitbringsel von Touristen. Außer auf Iriomote findet man diesen Sand z.B. auch auf Taketomi-jima, jedoch werden die Besucher dort schon gebeten, auf das Sammeln des Sternensands zu verzichten, da die Menge mit der Zeit deutlich abgenommen hat. Andere Fundorte wie die kleine Insel Hatojima nahe Iriomote sind dagegen weniger bekannt und scheinen daher noch weitgehend unberührt zu sein.

Wenn man sich nicht die Mühe machen möchte, selbst nach Sternensand zu suchen, kann man ihn selbstverständlich an Souvenirständen in kleine Fläschchen abgefüllt kaufen. So bleibt auch ausreichend Zeit, die beeindruckenden Geröllformationen am Strand nach lohnenswerten Fotomotiven zu durchsuchen.
Am Hoshi-no-zuna-Strand „Sonnensand“

Nur etwa eine Viertelstunde zu Fuß entfernt vom „hoshizuna no hama“ liegt das Restaurant „Tin Nu Karla“, welches ich bei einem Aufenthalt im Jahre 2007 erstmals kennenlernte. Ein erneuter Besuch blieb mir leider auf meiner diesjährigen Reise versagt, da es seine Pforten nur abends von 18:00 bis 22:00 Uhr öffnet, also lange nachdem der letzte Bus gefahren ist. Und auf einen Tramp-Versuch wollte ich es um diese Zeit auch lieber nicht mehr ankommen lassen. Dabei hätte sich ein erneuter Abstecher wirklich gelohnt, immerhin konnte ich seinerzeit in diesem Restaurant solch interessante Leckereien probieren! Tempura aus den jungen Sprossen des auf den Inseln allgegenwärtigen Schraubenbaumes (Pandanus fascicularis, jap. adan), Sushi vom Ishigaki-Rind mit einem Zweigchen der umi-budō-Alge garniert, oder auch eine köstlich zubereitete Krabbe, um nur einige Beispiele auf der Speisekarte zu erwähnen, an die ich mich gerade erinnere!
Das „Tin nu Karla“ „Tin nu Karla“, Detail
Sushi vom Ishigaki-Rind mit umi-budō
Sushi vom Ishigaki-Rind mit umi-budō
Krabbe im ... und ihre Überreste!

Einen kleinen kulinarischen Trost durfte ich mir dann doch noch gönnen, und zwar in einem kleinen Café-Restaurant gleich in der Nähe des Hafens Uehara. Nach einer guten Portion „Yaeyama-ramen“-Nudelsuppe probierte ich ein Stück Käsekuchen mit gōyā-Bittermelone als besonderer Zutat! Deren bitterer Geschmack harmoniert überraschend gut mit der Süße des Käsekuchens. Eine Eigenkreation der Wirtin, die eigentlich bei jedem Besuch Iriomotes erneut gekostet werden möchte!
Hier gibt's den leckeren gōyā-Käsekuchen!
Hier gibt's den leckeren gōyā-Käsekuchen!
„Iriomote-soba“

Und für einen kleinen Verdauungsspaziergang bietet sich unter anderem natürlich auch ein Ausflug auf die kleine Insel Yubu-jima an!