Ishigaki

Ishigaki-jima wird gern als das „Tor zu den Yaeyama-Inseln“, der südlichsten Inselkette Japans bezeichnet. Von hier aus gelangt man per Fähre zum Beispiel nach Irimote-jima und Taketomi-jima, um nur zwei der zahlreichen umliegenden Inseln zu nennen. Doch selbst wenn mancher behaupten mag, daß Ishigaki selbst nur recht wenig an echten Sehenswürdigkeiten zu bieten habe, finde ich, daß sich ein paar Tage Aufenthalt hier immer wieder lohnen!

Das erste Mal besuchte ich die Yaeyama-Inseln im Jahre 2005, weitere Reisen folgten in den Jahren 2007 und 2010. Und mit jedem Besuch lernte ich die Gegend ein wenig mehr kennen und den Reiz dieser subtropischen Inselwelt mit ihrem so ganz anderen „japanischen“ Lebensstil lieben. Wie auch auf der Insel Okinawa geht es hier oft deutlich entspannter zu als im japanischen Mutterland, und wenn man Erholung und Ruhe sucht, sollte man in der Regel hier den geeigneten Platz dafür finden. Leider muß man dazu aber auch sagen, daß gerade die Popularität dieses kleinen Paradieses seinen Niedergang nach sich zu ziehen droht, wenn für ein Mehr an Touristen gerade dasjenige geopfert wird, was den Reiz für die Besucher ausmacht.

Bei meinem ersten Besuch auf Ishigaki beschränkte sich der Passagierhafen noch auf einige wenige Büros der Reiseveranstalter gleich vor den Anlegestegen. Umso überraschter war ich, als ich zwei Jahre später das im Januar 2007 neu errichtete Fährterminal Shin ritō tāminaru 新離島ターミナル erblickte. Neben einer geräumigen Wartehalle, Ticketcentern, Geschäften für Souvenirs und Imbisse bietet es dem Besucher auch eine Internetecke, dazu ist natürlich wesentlich größer und unleugbar auch bequemer. Dennoch fand ich es etwas schade, daß der Hafen damit ein großes Stück seiner alten „Provinzatmosphäre“ einbüßte, die ihn in meinen Augen so angenehm heimelig wirken ließ. Zahlreiche weitere Baugeschehen in der Stadt lassen auf einen Boom Ishigakis schließen. Das Vorhaben, einen Flughafenneubau ausgerechnet in der für prächtige Korallenbänke berühmten Shiraho-Bucht zu errichten, wurde dank lokaler und internationaler Proteste glücklicherweise verhindert. Bleibt zu hoffen, daß in Zukunft Ishigaki nicht doch noch eines Tages für ein Mehr an touristischem Fortschritt seinen Flair einbüßt.

Das Korallenmeer rund um die Yaeyama-Inseln macht diese besonders reizvoll für Schnorchler und Taucher. Mit etwas Glück hat man hier sogar die Chance, Manta-Rochen auf ihrem Zug zu begegnen! An Tauchschulen besteht in Ishigaki-jima kein Mangel, und während meines ersten Besuchs entschied ich mich spontan, einen Schnupper-Tauchgang zu absolvieren und die Korallen sozusagen einmal vor Ort zu betrachten. Nun gut, ein Manta hat sich bei der Gelegenheit nicht blicken lassen (und auch keine Meeresschildkröte, und kein Hammerhai...), doch fand ich den kurzen Ausflug in die Unterwasserwelt überaus faszinierend. Die Ausbilder waren dazu sehr umsichtig und verantwortungsvoll, ich hatte so viel Spaß, daß ich mir selbst versprach, in Zukunft wieder einmal hier unter Wasser zu gehen. Dann natürlich mit Tauchlizenz, um das Abenteuer richtig auskosten zu können!

Doch auch an Land kann sich Ishigaki-jima sehen lassen: es macht Spaß, mit einem Mietwagen entlang der Küstenlinien über die Insel zu fahren und hier und da die Aussicht auf das Meer zu genießen. Auch lohnt sich ein Ausflug mit Bootstour in der Kabira-Bucht, dazu vielleicht noch ein Abstecher zum Chinesischen Friedhof. Und wenn man keinen Wagen mieten mag, erreicht man auch mit dem Bus seine Ziele in der Regel recht bequem, die freundlichen und engagierten Angestellten der Touristeninformation im Hafenterminal helfen gern beim Heraussuchen der richtigen Verbindungen.

Wenngleich die Sehenswürdigkeiten der Stadt Ishigaki selbst vergleichsweise rar gesät sind, lohnt es sich dennoch, bei einem Bummel z.B. das Yaeyama-Museum mit Exponaten aus der Geschichte der Inselgruppe anzusehen oder der Samurai-Villa „Miyara dunchi“ aus dem 17. Jahrhundert einen Besuch abzustatten. Das Gebäude selbst zu betreten ist allerdings nicht möglich, da es dem freundlichen alten Herrn, der auch die Tickets verkauft, als Heimstatt dient. Einen Eindruck, wie hier früher gewohnt wurde, kann man sich also nur durch einen Blick von außen auf und in das Haus hinein verschaffen, der Besucher sollte sich demnach nicht all zuviel erhoffen. Der Eintrittspreis ist mit nur 200 Yen für einen Erwachsenen dafür aber auch sehr preiswert, und man kann sich von dem heutigen Bewohner eine Menge interessante Dinge aus der Geschichte der Yaeyama-Inseln erzählen lassen, wenn auch in teilweise sehr schwer verständlichem Japanisch…

Die Möglichkeit, ein paar Tage in einem alten Haus im Yaeyama-Stil zu wohnen, bekam ich 2010 jedoch in der Herberge Rakutenya. Die freundlichen Eigentümer, die übrigens ein hervorragendes Englisch sprechen, haben es geschafft, dem Haus und seiner Einrichtung eine unverwechselbare Atmosphäre zu verleihen. Bilder und andere kleine Kunstwerke sowie diverse Musikinstrumente zieren die Wände, dazu reihen sich im Regal eine Vielzahl an Büchern in den verschiedensten Sprachen. Immer kann der aufmerksame Betrachter etwas Neues und Interessantes entdecken. Die Tatami-Zimmer bieten ausreichend Platz zum Wohlfühlen, und wenn nachts im Innenhof wieder einmal Regen auf die Blätter prasselt, schläft es sich ganz besonders angenehm!

Nicht direkt eine Sehenswürdigkeit, aber ein dankbares Ziel auf der Suche nach Fotomotiven ist die Einflugschneise des kleinen Flughafens von Ishigaki. In sanftem Tiefflug über Meer, Strand und Teile der Stadt nähern die Flieger sich ihrem Ziel. Und wenn der Landeanflug schon aus dem Flugzeug heraus interessant zu beobachten ist, lassen sich vom Boden aus mindestens ebenso spannende Schnappschüsse machen, wie die Flieger nur wenige Meter über dem eigenen Kopf entlangziehen, um nur Sekunden später (hoffentlich immer) butterweich auf der Landebahn aufzusetzen!

Auch als Freund kulinarischer Erlebnisse kommt man in Ishigaki garantiert auf seine Kosten. Vor allem im Viertel rund um den Hafen bieten zahlreiche kleine und größere Restaurants in erster Linie regionaltypische Spezialitäten an: gōyā-chanpurū findet man ebenso wie soba-Nudelsuppen, sūki (zartgekochte Schweinerippchen) oder tebichi (ein Gericht aus Schweinefüßen), um nur einige der vielen Köstlichkeiten zu erwähnen. Wer etwas mehr Geld ausgeben möchte, findet auch Steakhäuser, idealerweise mit dem hoch geschätzten Fleisch des hier gezüchteten Ishigaki-Rindes. Doch will ich hier zwei kleine Geschäfte besonders empfehlen: Da wäre zum einen Tony soba, ein kleiner, vielleicht etwas „schäbig“ wirkender Imbißladen, in dem der neugierige Gast eine überraschend köstliche Nudelsuppe mit Ziegenfleisch probieren kann. Auch wenn der Geruch für ungeübte Nasen etwas streng erscheinen mag, ist der Geschmack dieser Okinawa-Spezialität umso leckerer! Zum Abschluß des Mahles sollte man auch eine Tasse pipāchi-kōhī ピパーチ・コーヒー probieren: einen Kaffee mit einer Prise des Yaeyama-Pfeffers pipāchi (eher bekannt als Langer Pfeffer), die ihm eine würzige und angenehm scharfe Note verleiht. Mit Schwarztee geht das übrigens auch, und natürlich konnte ich nicht widerstehen, gleich am nächsten Tag ein Glas dieses Pfeffers zu erstehen, als köstliches Mitbringsel für daheim!

Nur wenige hundert Meter vom Hafen entfernt liegt das zweite Restaurant, welches ich an dieser Stelle erwähnen möchte: das Busse. Hier findet man wohl kaum ein Gericht auf der Karte, das nicht mit reichlich Knoblauch zubereitet wurde. Koreanischer Avocado-Salat, wahlweise mit nattō (die berüchtigten vergorenen Sojabohnen), Knoblauchchips oder Kroketten mit Knoblauch sind nur einige der Spezialitäten, und selbst Knoblauchwein und -schnaps diverser Sorten locken den neugierigen Gast. Geführt wird das „Busse“ von einer jungen und äußerst sympathischen Familie, und es kann passieren, daß die kleinen Sprößlinge von Zeit zu Zeit um die Tische spurten und helfen, Gäste zu begrüßen und zu verabschieden, während man selbst gerade eine Knobi-Leckerei nach der anderen probiert.

Wie auch immer sich der kulinarisch neugierige Gast entscheiden mag, an reicher Auswahl ist auch auf Ishigaki-jima kein Mangel. Bei Fahrten mit dem Mietwagen über Land jedoch ist ein kleiner Reiseproviant empfehlenswert. Der nördliche Teil der Insel nämlich ist mit Cafés, Restaurants oder auch nur den ansonsten nahezu allgegenwärtigen 24h-Convenience-Stores überraschend schwach gesegnet. Dann kann es schon schwierig werden, sich sein Mittagessen suchen zu wollen!

In diesem Sinne: Nicht ohne meinen Imbiß! ^^