Osaka 1/2

Wer das erste Mal Japan bereist, wird meistens in Tokyo seine Tour beginnen und noch viel wahrscheinlicher die alte Kaiserstadt Kyoto besuchen. Auch Nara oder Kamakura als geschichtsträchtige Orte mit jeder Menge historischer Sehenswürdigkeiten werden sicher häufiger auf die Japan-Reiseroute gesetzt.

Osaka hingegen wurde lange Zeit als Reiseziel etwas stiefmütterlich behandelt, und wenn doch ausländische Touristen herkamen, dann vielleicht in erster Linie, um hier ihren Japan-Aufenthalt zu beginnen oder zu dessen Ende wieder abzuheben. Dabei lohnt es sich tatsächlich, ein paar Tage hier zu verbringen, die Stadt kennenzulernen und einzutauchen in ihre Atmosphäre, die irgendwie so ganz anders ist als die von Tokyo.

Als alte Handelsstadt hat Osaka naturgemäß weniger zu bieten an berühmten Tempeln, Schreinen oder Palästen. Hier gingen vor allem Kaufleute ihren Geschäften nach und sorgten damit für entsprechenden Wohlstand. Nicht ohne Grund ist hier auch die staatliche Münzanstalt inclusive Museum zu finden.

Doch was würde sich denn lohnen zu besichtigen, wenn man schon mal nach Osaka kommt? Nun, ich persönlich bin immer wieder fasziniert von der Stadt selbst, aber da das nun wirklich nicht sehr informativ ist, will ich etwas tiefer ins Detail gehen.

Beginnen möchte ich im quirligen Stadtteil Nanba 難波, einem der HauptgeschäftszentrenOsakas. Hier an dem gleichnamigen Umsteigebahnhof treffen sich zahlreiche Linien der städtischen Bahnen, und so ist die Gegend um Nanba naturgemäß ein Magnet für buntes Leben und Aktivitäten. Große Kaufhäuser sind hier zu finden und kleine Geschäfte aller Art, Hotels ebenso wie vielseitige Restaurants, und zwar in allen Preislagen. Auf der Suche nach kulinarischen Spezialitäten, Japanpapier, Zubehör für japanische Kalligraphie, Keramik, Büchern oder auch nur nach Mitbringseln wird man sicherlich in einem der zahlreichen Geschäfte fündig. Eine der überdachten Ladenstraßen ist übrigens spezialisiert auf Ausstattungen von Restaurants, ähnlich wie die Kappabashi-dōri in Tokyo. Auch wenn das Pendant in der Hauptstadt weitaus größer angelegt ist, sucht man auch in Osaka wohl kaum einmal vergebens, wenn man z.B. typisch japanische Küchenutensilien oder Geschirr zu moderaten Preisen benötigt.

In Nanba In dem Geschäft hier in Nanba gibt's sicher einfach ALLES! ;o)


Durch die Passagen zu streifen lohnt nicht nur bei Regenwetter, und nicht nur, wenn man auf Shoppingtour ist. Irgendetwas Interessantes wird sich immer finden, ich erinnere mich nur an einen traditionellen türkischen Eisverkäufer während einem meiner Aufenthalte in Osaka, der hier seine Kunststückchen seinem erstaunten Publikum darbot.


(Das Video ist übrigens nicht von mir, es bot sich jedoch an als Illustration, die ich dem Leser nicht vorenthalten wollte...)

Südlich vom Bahnhof Nanba gelangt man nach wenigen Schritten in die denden-Town でんでんタウン, als Zentrum für Elektronik- und Unterhaltungsartikel das Gegenstück von Tokyos Viertel Akihabara. Meine Eindrücke sind natürlich rein subjektiv und mögen täuschen oder in der schnelllebigen Zeit Japans schon nicht mehr aktuell sein, doch ich würde behaupten, daß Akihabara sich von einem Mekka der Unterhaltungselektronik inzwischen vor allem zu einem Zentrum für Manga- und Anime-Fans verwandelt hat. Große Elektronikhäuser, die ich von früheren Besuchen noch kannte, waren mittlerweile geschlossen, und wer sich wie ich nicht gerade zur Anime-Zielgruppe zählen mag, für den könnte die Suche nach Computerzubehör und ähnlichem beispielsweise in Tokyos Stadttei Shinjuku erfolgversprechender sein. Die denden-Town Osakas hingegen erscheint mit nach wie vor ein lohnendes Ziel zu sein, wenn man sich etwa nach neuen oder gebrauchten Laptops oder anderen Artikeln umsehen möchte.

Nördlich von Nanba gelangt man in das Geschäftsviertel Dōtonbori 道頓堀 entlang des gleichnamigen Kanals, bekannt für seine zahlreichen Geschäfte und Restaurants und früher auch für traditionsreiche Theater.
Eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten von Dōtonbori und damit mittlerweile sicher auch ein Wahrzeichen Osakas ist das riesige Werbebild der Süßwarenfirma Glico: Der charakteristische Läufer mit den siegreich erhobenen Armen direkt an der Brücke Ebisu-bashi über den Kanal wurde bereits 1935 angebracht und prägt heute unverwechselbar das Bild des Viertels, ebenso wie eine übergroße beweglich Krabbe, ein nicht minder riesiger Fugu-Kugelfisch oder ein grimmig dreinblickender Koch als originelle Außenwerbungen der ansässigen Restaurants, die so die Aufmerksamkeit ihrer Kundschaft wecken. Wer nach einem Stadtbummel wohlverdient seinen Appetit stillen möchte, hat hier also eine ausreichende Auswahl, die es dem hungrigen Gast nicht unbedingt einfacher macht, sich zu entscheiden. Immerhin kann man die Eßkultur Osakas guten Gewissens als besonders vielseitig und lecker bezeichnen!
Für eine kleine Zwischenmahlzeit jedoch gibt es eine klare Empfehlung, denn unbedingt probieren sollte man eine der wichtigsten Spezialitäten Osakas: tako-yaki たこ焼き, kleine Teigkügelchen mit einer Füllung aus Oktopus (tako), bedeckt mit köstlicher brauner Soße und Flocken von katsuo-bushi (getrocknetem Bonito-Fisch) sowie eingelegtem Ingwer als würziger Beilage. Einige Läden bieten auch frisch geschnittenen Lauch obenauf an, eine wohlschmeckende Variation der herkömmlichen Spezialität. Schon das Zusehen, mit welcher Fingerfertigkeit die Köche in eigens dafür geformten Pfannen die tako-yaki zubereiten und die Kugeln dabei mit einem Holzstäbchen in Windeseile wenden, macht den Besuch der kleinen Ladenstände zu einem interessanten Erlebnis, das durch den Genuß der fertigen Leckerei noch gekrönt wird. Doch sollte man trotz größten Appetits auch ein gewisses Maß an Vorsicht nicht außer Acht lassen: Frisch zubereitet sind tako-yaki sehr, sehr heiß, so daß man sich leicht den Mund verbrennen kann, wenn man zu gierig hineinbeißt!
Restaurant in Dōtonbori
Der Glico-Mann an der Ebisu-bashi
Der Glico-Mann an der Ebisu-bashi
Pimp My Hummer!

Noch einige Straßenzüge weiter nördlich erreicht man das szeneträchtige Amerika-mura アメリカ村 , das „amerikanische Dorf“. Hier sind unter anderem Musikläden für junges Publikum angesiedelt sowie selbsverständlich die passenden Bekleidungsmarken. Darüber hinaus finden auch geschickte Tätowierer hier internationale Kundschaft.

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