Taketomi

Geradezu ein Muß, wenn man einige Tage auf Ishigaki-jima verbringt, ist ein Ausflug auf die benachbarte Insel Taketomi-jima, nur knapp eine Viertelstunde mit der Fähre entfernt. In der Regel genügt ein Tag, um das kleine Eiland zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu besichtigen.
Die Häuser in dem anheimelnden Dörfchen sind nahezu unverändert in der ursprünglichen Yaeyama-Architektur erhalten. Besonders auffällig sind die Mauern aus Korallengestein, welches früher als Baumaterial diente. Typisch sind die Dächer, gedeckt mit roten, gebrannten Ziegeln, die zum Schutz gegen die in dieser Region recht häufigen Taifune festgemauert werden.

Taketomi-jima diente der japanischen Band „THE BOOM“ 1992 übrigens als Kulisse für das Musikvideo ihres Erfolgshits „Shima-uta“ (Insel-Song). Das Wort shima-uta bezeichnet ursprünglich nur die alten Volkslieder der Ryūkyū-Insel Amami-Ōshima (etwa 400 km nordöstlich Okinawas gelegen), mittlerweile ist das Lied in Japan jedoch fest verbunden mit dem Image der gesamten Präfektur, und es existieren zahlreiche Coverversionen selbst über die Grenzen des Landes hinaus!



Neben dem Besuch des Dorfes lohnen sich auch Spaziergang entlang der Strände, wie z.B. dem hoshizuna-Strand mit dem hier leider schon etwas selten gewordenen Sternensand oder dem kondoi-Strand, der bei geeignetem Wetter auch zum Baden einlädt. Auch wenn Taketomi-jima eine recht kleine Insel ist, kann man dennoch gut einen ganzen Tag hier verbringen, für eine Fototour beispielsweise finden sich bei jedem Wetter lohnenswerte Motive.

Früher oder später wird man dabei unweigerlich auch auf den einen oder anderen Wasserbüffel stoßen, sei es beim gemütlichen Wiederkäuen oder aber beim Ziehen eines Ausflugskarrens. Wie auch auf Iriomote- bzw. Yubu-jima sind die Büffelwagen von Taketomi ein Magnet für die Gäste der Insel, die so ein ganz spezielles sight seeing miterleben.

Einen besonders interessanten Eindruck neben der alten Architektur im Dorf hinterlassen auch die typischen Grabmäler, die sich sehr von den japanischen Friedhofsanlagen unterscheiden. Man findet die Gräber, die an kleine Häuser erinnern, locker verteilt an verschiedenen Orten der Insel, teilweise im Verborgenen, teilweise aber auch direkt an den Hauptwegen gelegen. So mag es wirken, als hätten die Verstorbenen immer noch ihr Heim hier und seien nach wie vor präsent in der irdischen Welt…

Nicht vergessen möchte ich das kleine, aber sehr informative Museum Yugafu-kan gleich gegenüber dem Hafen, welches neben interessanten Exponaten auch eine beachtliche Anzahl von Literatur zu den Yaeyama-Inseln und speziell zu Taketomi-jima bereithält, japanische Sprachkenntnisse vorausgesetzt.
Im Mingeikan („Volkskunsthalle“) des Dorfes kann man sich tiefergehend über die auf den Yaeyamas heimische Webkunst im minsā-Stil (ミンサー) informieren und den Webkünstlern auch bei ihrer Handarbeit über die Schulter sehen.

Obwohl Taketomi-jima so klein, heimelig und überschaubar ist, verfügt das Dorf über einige Restaurants, in denen man sich einen kleineren oder größeren Imbiß gönnen kann. Meine Erfahrungen waren, daß man sich auf die draußen ausgezeichneten Öffnungszeiten nur bedingt verlassen sollte. Gelegentlich scheinen sie von den Inhabern recht frei gehandhabt zu werden, wohl auch abhängig davon, wieviele Ausflugsgäste mit den Fähren von Ishigaki zu erwarten sind. So sollte man nicht allzu verwundert sein, wenn ein Restaurant abends etwa zwei Stunden vor der eigentlichen Zeit öffnet und ebenso verfrüht auch die „last order“ einläutet.

Wer nur Appetit auf einen kleinen Imbiß nach der Inselwanderung hat, sollte unbedingt einmal in’s „Takenoko-soba“ einkehren: Die Auswahl hier mag so klein sein wie der Laden selbst, und die angebotenen Yaeyama-soba-Nudelsuppen sind so einfach wie die rustikale Einrichtung. Doch läßt sich auch nach wiederholten Besuchen dort vor allem eines sagen: Es schmeckt vorzüglich, und eine Vielzahl von Autogrammen an den Wänden könnte ein Indiz dafür sein, daß nicht wenige offensichtlich prominente Kunden hier einkehrten und mir sicher zustimmen würden. So lohnt es sich gewiß, sich auch beim nächsten Besuch von Taketomi wieder eine Mahlzeit im „Takenoko-soba“ zu gönnen!