Wissenswertes über die Ryūkyū-Inseln

Allgemein

In vielerlei Hinsicht nehmen die Ryūkyū-Inseln eine Sonderstellung innerhalb Japans ein. Die Geschichte der Inseln mit starken Einflüssen vor allem aus China, aber auch ihre Lage in der subtropischen Klimazone haben ihren Anteil daran, daß ihre Kultur sich stark von der der japanischen Hauptinsel unterscheidet.
Die Ryūkyū-Inselgruppe (jap.: 琉球列島, Ryūkyū shotō) erstreckt sich zwischen Kyūshū und Taiwan im Südwesten der japanischen Hauptinseln. Sie verläuft über eine Distanz von 1.200 km etwa vom 30. Grad nördlicher Breite bis hin zum 24. Breitengrad. Das Klima ist subtropisch bis humid.
Heute fällt der größte Teil dieser Inseln ab der Hauptinsel Okinawa (jap.: 沖縄本島, Okinawa hontō) über die Miyako-Inseln (jap.: 都列島, Miyako rettō) weiter südwestlich bis hin zu den Yaeyama-Inseln (jap.: 八重山列島, Yaeyama rettō) unter die Verwaltung der Präfektur Okinawa (jap: 沖縄県, Okinawa-ken). Die nördlich der Hauptinsel Okinawa gelegene Amami-Inselgruppe hingegen gehört verwaltungstechnisch zur Präfektur Kagoshima (jap.: 鹿児島県, Kagoshima-ken).


Geschichtliches

Auf der Insel Okinawa existierten etwa seit dem 12. Jahrhundert zahlreiche Lokalfürstentümer. Schon im späten 14. Jahrhundert hatten sich daraus drei Königreiche etabliert: „Hokuzan“ 北山 im Norden, „Chūzan“ 中山 im Zentrum sowie „Nanzan“ 南山 im Süden der Insel.
Im Jahr 1429 gelang es ein Shō Hashi 尚 巴志, die drei Reiche als eigenständiges Königreich Ryūkyū mit politischem Zentrum im Schloß Shuri zu einen. Es pflegte Handels- und diplomatische Beziehungen zu Korea, China und Japan, wodurch ein reger Austausch an Kultur und Wissen stattfand. Dem Königreich kam dabei die günstige Lage als Zwischenstation auf den Handelswegen zwischen China und Japan zugute.

1609 verlor das Königreich Ryūkyū mit dem Einmarsch von Truppen des Satsuma-Daimyats auf die Amami-Inselgruppe seine politische Unabhängigkeit und wurde (zusätzlich zu den bis dato bereits üblichen Tributzahlungen an China) auch gegenüber den Satsuma steuerpflichtig.

Mit der Meiji-Restauration ab 1868 gerieten die Ryūkyū-Inseln mehr und mehr unter japanische Kontrolle, bis hin zur Zwangseingliederung ins Japanische Kaiserreich 1879.
Während des Zweiten Weltkriegs war Okinawa aufgrund seiner günstigen strategischen Lage hart umkämpft, mit verhehrenden Schlachten und unzähligen Opfern. Ab 1945 geriet Okinawa unter Besatzung durch die USA, die hier Truppenstützpunkte errichteten. Erst im Jahre 1972 wurden die besetzten Inseln schließlich an Japan zurückgegeben.


Religion

Die religiösen Vorstellungen der Ryūkyū-Inseln sind in erster Linie gekennzeichnet durch Animismus, Ahnenkult sowie die Verehrung lokaler Gottheiten. Als Mittler zwischen der diesseitigen Welt und denen der Götter und Verstorbenen fungierten Priesterinnen (noro 祝女) und yuta ユタ: Personen (fast ausschließlich Frauen), denen eine enge Verbindung zu den Toten zugesprochen wurde.
Heilige Stätten (utaki 御嶽) genießen in dem religiösen Leben einen besonderen Respekt, oft ist es tabu, diese Orte zu verändern oder in manchen Fällen gar zu betreten, mit Ausnahme der noro: Schamaninnen, die hier spezielle Gebete zu den ansässigen Gottheiten vollzogen.
Diese können in verschiedenen Formen und Funktionen auftreten: Erwähnt sei hier zum Beispiel die Göttin Amamiku アマミク (auch: Amamikyo アマミキョ) als Erschafferin der Ryūkyū-Inseln, oder der Gott des Feuers Hinukan (japanisch hi no kami 火之神). Die Gottheiten hingegen, die dem Besucher am häufigsten ins Auge fallen werden, sind die shīsā: Schutzgötter in Gestalt von Löwenhunden, die (fast) immer paarweise dargestellt werden, als Männchen und als Weibchen.


Sprache

Heute wird auf den Inseln allgemein Japanisch gesprochen, daneben jedoch existieren auch einheimische Sprachen. Teilweise werden sie in Japan nur als Dialekte des Japanischen betrachtet, jedoch ist es zutreffender, sie als eigene Ryūkyū-Sprachen zu bezeichnen. Zwar sind sie mit der Japanischen Sprache verwandt (die Trennung erfolgte vor etwa 1.500 Jahren), doch sind die Unterschiede so stark, daß eine Verständigung zwischen einer Ryūkyū-Sprache und dem Japanischen wechselseitig nicht möglich ist. Man unterscheidet fünf verschiedene geographisch getrennte Sprachen auf den Ryūkyū-Inseln: Die der Hauptinsel Okinawa, Amami-Ōshima, Miyako-jima, Yaeyama-jima sowie der Insel Yonaguni, teilweise mit lokalen Dialekten.
Wie sehr die einzelnen Sprachen sich unterscheiden, sieht man am Beispiel für die Wendung „Willkommen“: Japanisch werden Sie mit „yōkoso“ begrüßt, auf Okinawa hingegen mit „mensōre“. Die entsprechende Formel auf Miyako-jima lautet „nmyāchi“ und „ōridōri“ auf den Yaeyama-Inseln.

Obwohl zahlreiche Begriffe der Ryūkyū-Sprachen Einzug gehalten haben in das auf den Inseln gesprochene Japanisch, muß leider gesagt werden, daß die Zahl der Sprecher, die sie noch aktiv beherrschen, rückläufig ist. Vor allem in den jüngeren Generationen steigt die Zahl derer, die ihre alten Heimatsprachen allenfalls noch passiv verstehen, so daß deren Aussterben bereits besiegelt und nur eine Frage der Zeit zu sein scheint.